Archiv der Kategorie 'review'

review: atmen, weiter – leichtigkeits des scheins LP

atmen, weiter...
Ich habe drauf gewartet. Ja, gewartet. Das Demo fand ich superklasse „die fabelhafte Welt der Lethargie. Der Kontakt gestaltete sich etwas langsam, dennoch schafften sie es auf den Sampler der Ausgabe #2. Mit dabei waren auch Stücke des Demos, die es nun auch nochmal auf die Platte geschafft haben. „haus / hell“ und „phrasenmonster“.
Gerade in einem Song wie „Phrasenmonster“ zeigen atmen, weiter… aus Landau in der Pfalz ihre Stärken im Songwriting. Zwischen Emo und emotionalem Punk. Zwischen Punkriff und schrägem Schrammelbeat. Voll geil.
Es reisst mit, zwingt einen aber auch zum zuhören. Und in manchem Refrain ohne Pathos auch zum mitgröhlen.
Zwischen Minimalismus und Melancholie ist immer noch eine Melodie!
Die A-Seite hat mehr Punk, mehr auf die 12, mehr Rotz und Tristesse. Auf der B-Seite mehr Herz, mehr Schmerz, mehr Mid-Tempo.
Irgendwie hören sich die Songs mehr nach englischem Punk an. Ich bin da nicht so firm drin, haha! Auf jeden Fall sehr abwechslungsreich verglichen mit der A-Seite.
Anfangs also mehr EXIL, später was von GRIZOU. Geil.
Anspieltipps: Seite A und Seite B.
Live eingespielt.
Die LP ist raus bei 30 kilo fieber records
Mal wieder ein superklasse Artwork von Micha (schwarzer rand)
atmen, weiter…

review: FRAU MANSMANN – Menstruation in Stereo CD

frau mansmann
Gleich der erste Songs steht in einer Linie mit Bands wie Molotow Soda oder anderen DeutschFunPunkBands.
Ist ein Sound mit dem man nicht mehr hinter dem erkalteten Ofen hervorlocken kann.
Eine Deutschpunkröhre wird alt und singt darüber. Das provoziert mich leider nicht. Es langweilt. Danach ein Song übers Saufen.
Gähn.

Die Band spielt hörbar schon ne Weile zusammen. Das passt und sitzt. Einzig der Zweistimmige Gesang liegt nicht immer in der Spur
Der Sound ist tiptop gemischt. Und der Lichtblick ist Emilie Krawall, die in „Therapie“ und in „Pöbelei und Widerstand“ ordentlich die FemaleFrontedDeutschpunkKeule auspackt. Das ist super.

12 Songs. „Menstruation in Stereo“

So lala.
Gibts bei Bakraufarfita. CD / LP / DL

review: THOMAS TULPE – in der Kantine gab es bohnen CD

thomas tulpe
Eines der aufstrebendsten und ambitioniertesten Labels aus Berlin bringt diese Scheibe raus! Barkraufarfita.
Nach tollen Releases von EIN GUTES PFERD oder diesem überraschend grandiosen Stoner-Krach von BLUTIGE KNIE, kommt nun ein Typ um die Ecke, der Musik auf Kindergartenniveau macht.
Ich habe als Pre-Teenie 1985 die auslaufende NeueDeutscheWelle geliebt. Deswegen finde ich den Sound auch echt ganz witzig. Aber der vorgetragene Gesang mit den aneinandergereihten Wörtern ohne jeden Inhalt nerven einfach nur hart ab.
Das Artwork hochpreisig gemacht, mit einem Thomas Tulpe drauf, der auf jedem einzelnen Bild schreit.
Ja, ich möchte auch schreien.
Uargl.

Zieht euch das rein: (gibt noch 3 Tapes der 2ten Auflage!)
provinzpostille

konzert: LOOSE SUSPENSE / BIRDS IN ROW / MERCY TIES juha west stuttgart 10.08.2017

LOOSE SUSPENSE @ juha west

Zweite Show in einer Woche. Dank meines momentanen Arbeitsplatzes in Stuttgart!
Ich hatte glücklicherweise nicht ganz so viel Arbeit in dieser Woche und kam pünktlich VOR der Show. Im Grunde war ich dort, um LOOSE SUSPENSE zu sehen und ihre neue Platte zu kaufen und anzuhören.
Die Band ist inzwischen ziemlich eingespielt und haben vom Juha-Mischer einen ordentlichen Sound bekommen. Ein richtig gutes Brett zum Einstieg des Abends und nicht ohrenbetäubend laut! Hat viel Spaß gemacht, der Show zuzuschauen und ab und an meinen müden Kopf auf und ab zu bewegen, haha!
Coole Mischung aus Screamo und Hardcore. Ab und an mal ein Ausbruch in schnellere Fahrwasser aber immer den Mosh im Würgegriff.
Am Ende der Show ein kurzer Schnack mit Sänger Jörg und eine Verabredung! Wir schauen mal, was daraus wird!

Als zweite Band spielten die Amerikaner MERCY TIES.
MERCY TIES @ juha west
Ungefähr so wie das Foto, so erreichte mich ihre Mucke. Der Sound auf Krawall gebürstet. Da war wohl deren Mixer am Werk…. Und die Musik mir etwas zu frickelig. Sie haben das absolut sicher vorgetragen, keine Frage. Doch der Funke sprang in keiner Sekunde über und so gesellte ich mich draußen zu ein paar lieben Bekannten und trank zwei Bier zuviel. Nach dem trotzdem langen Arbeitstag drückte es mir die Beine in den Boden und ich wünschte mir das erste Mal ein Sitzkonzert!
Wir verlaberten die Zeit. So kam ich in den Genuß die letzte Band des Abends, die französische Band BIRDS IN ROW, kennenzulernen.
BIRDS IN ROW @ juha west
Und die hatten mich. Von der ersten Sekunde an. Ein intensives Lautstärkegebräu aus Emo und Hardcore. Der Würgegriff des Mosh. schnell. Emotional. Kein Gepose, kein Rumgespacke. Die Haare des Gitarristen und Sängers fast permanent im Gesicht und über dem Mikrofon. Eine gute Mischung aus Geschrei und ganz kleinen Mitsingparts.
Es war wohl die letzte Show auf einer ausgedehnten Europatour (gemeinsam mit MERCY TIES). Und dafür wirkten die Herren quicklebendig!
Sehr höfliche und dennoch klare Ansagen.
Am Merch dann die Antwort auf die Preisanfrage: „pay what you want“.
Auch geil.

konzert: SHEER TERROR 08.08.2017 @ CABARET EDEN ulm

sheer terror @ cabaret eden

Es ist nicht nur gefühlt eine Unendlichkeit her, seit ich SHEER TERROR auf ihrer Europatournee gesehen habe. 1991. Keine Ahnung mehr in welchem Laden… Steffi in Karlsruhe vielleicht?
Ich habe gerade einen riesen Stapel Arbeit zu erledigen und bin in Stuttgart. Ist ja nicht weit, denke ich, das klappt schon. Schreibe Paul Bearer an, ob er nicht Lust habe, mir ein Interview zu geben. Es antwortet: vielleicht.
Das soll mich nicht abhalten, zu fahren. Doch am Konzertabend natürlich: Überstunden. Ich haste um halb Neun aus dem Büro, rausche über die Autobahn, komme eine Stunde später in Ulm an. Der Laden ist von weitem erkennbar. Wie der Name es verrät, ist es ein alter Stripclub. „Cabaret Eden“
Bevor ich reingehe brauche ich aber noch Geld. Suche einen Automaten und laufe eine breite Strasse runter. Stark torkelnd kommt mir ein Typ entgegen. Ich muss um ihn rumtorkeln, um den Zusammenstoß zu verhindern. Danach ein Typ mit einer Skinhead-Jacke und wütendem Gesicht. Er schaute mich an, was mir missfiel, ich drehte mich verwundert nach ihm um, sah, daß auch er nochmal schaute.
„na die Typen werde ich gleich auf dem Konzert wiedersehen.“
Und so war es auch. An der Kasse stand der Volltrunkene und versuchte sich die 22 Euro Eintritt zu erschnorren. Im Innenraum war der Typ mit dem bösen Blick.
Jaja. Hardcore. Ich fürchtete schon die beat-down-ellbogen-in-die-fresse-pogo-tänzer. Diese Prollos kotzen mich so dermaßen an! Geht in ein Sportstudio ihr Spackos oder verkloppt Nazis!
Die Vorband hatte ich verpasst.
Mit der Rückkopplung des Gitarristen Lawrence Nieroda kam ich rein.
Der erste Song war auch gleich ein liebgewonnener Klassiker und Titeltrack des ersten Albums „just can‘t hate enough“. Danach „heartburn in G“ vom aktuellen Album „standing up for falling down“. Paul sah verstrubbelt und wild aus unter der Lederdecke. Meinte, er sei mit dem flaschen Bein aufgestanden. Das sei wohl das Alter. Man könne sich das aber noch schön machen und hielt den Mischer an, die Discokugel in Betrieb zu nehmen. Paul’s furztrockener Humor dazu und schon vergaß ich, auf einem Hardcore Konzert zu sein.
Die Musik von SHEER TERROR ist zwar fett und durch Paul’s Reibeisenstimme nicht das übliche Geschrei oder Metalgeggrowle. Da kommt dann auch schon mal ein Song wie „twisting & turning“, wo er klar bei Joy Division angelegte Gesangsparts hat. Melancholisch melodiös. Klar, zwei Tonlagen tiefer.
Nicht zu vergessen: auch der neue Schlagzeuger kloppt gerne auf der Glocke vom Ridebecken rum.
Kennt ihr das auch, diese prägnanten Spielweisen von Trommlern. Wie einen Sänger kann man einen Schlagzeuger an dem Stil erkennen, wie er bspw einen Wirbel spielt. Mahler von SLIME damals.

Ich hörte einige Hits vom ersten Album. Zudem Paul viel zu erzählen hatte an diesem Abend. Eine Story über einen Selbstmörder, der sich im morgendlichen Verkehr von Blackpool (sie hatten dort auf einem Festival gespielt) vom Hochhaus gestürzt hatte. Damit kam der Verkehr zum erliegen. Er bat darum, wenn jemand von uns den Gedanken hätte sich umzubringen, dies nicht in aller Öffentlichkeit zu tun. Lieber im stillen Kämmerlein.
Als die Meute da applaudierte entgenete er, daß wohl noch niemand Applaus für eine Selbstmordgeschichte bekommen hätte.
Weiterhin gab es eine Erklärung dazu, ob es besser sei ein Jerk oder ein Asshole zu sein. Ganz klar: ein Asshole!
Naja, so aus dem Zusammenhang gerissen, hört sich das nicht sooo spannend an. Mir doch egal.
Den Todespogo des Abends tanzten übrigens zwei mitgereiste Mädels aus England!

Zum Abschluß gab es doofe Sprüche über die Länge der Geschichte und die kürze der Spielzeit. Nach etwas über einer Stunde war Schluß.
Was habt ihr erwartet von SHEER TERROR?
Ich genau das.

Gerne das nächste Mal mit Interview.