Archiv der Kategorie 'review'

review: PASCOW – jade DoLP

pascow - jade

Mensch du. Da machste das Paket auf und bekommst ein in ein Plakat mit beiden Cover eingepackte Platte. In der Platte ein Booklet in 12inch Größe und eine 7inch. Letztere einseitig bespielt, wie auch die zweite LP. Klingt erstmal verwirrend, ist aber Luxus pur. Edel aufgemacht mit dem auflaminierten (?) Konterfei eines Mädchens auf mattem Schwarz.
Aber der Reihe nach!
PASCOW hatten ihr letztes Album „diene der Party“ vor 5 Jahren rausgebracht. Danach gab es eine 10inch mit Songs von ihnen und einem nach Abschied klingenden Film. Vor ein paar Monaten dann die Ankündigung eines neuen Albums! Würden sie weitermachen, wie bisher?
Der Look jedenfalls ist geblieben.
Und die Antwort bekommt man, sobald man die Platte loslaufen lässt: ja!
Ein leicht melanchlisch melodramatisches Intro am Piano wird intoniert, geht über in den Hit und die erste Video-Singleauskopplung „silberblick und scherenhände“.
PASCOW verlassen sich schon noch auf ihre Art Songs zu schreiben. All die Melodien, die einen manchmal zuckersüß umspielen. Ollos Schlagwerk, daß gemeinsam mit Flo’s Bassspiel nach vorne treibt. Alex‘ angepisster Gesang. Alles da.
Aber es hat sich etwas geändert: die Rockelemente, wie sie TREND mal einforderten ;-) Oder die eigens besungene Weltordnung, die the fuck ist, wankt?
Gleich im zweiten Song „jade“ legen sie mit einem Rockgitarrenriff los, das sich gewaschen hat; um dann ganz klar wieder PASCOW zu sein. Die „marie“ wird besungen mit einem groovenden Off-Beat mit leichten Reggae-Anleihen. Der Gesang weniger pissed, dafür immer noch das leicht wüste Weltbild entwerfend, daß es braucht, um diese Welt in ein „schmutzigrot“ zu tauchen.
Ich will jetzt nicht jeden einzelnen Song einer Kritik unterziehen, das haben Bierschinken schon gemacht! Und aus Bockys Review bei Polytox hab ich die Reminszenzen „geklaut“, da ich Musikgeschichtlich mit englischer Punkmusik nicht so bewandert bin – um nicht zu sagen: mir doch egal!

Auf Anhieb habe ich Crass, The Clash und The Outsiders gefunden.

Song vier „kriegerin“, den ich für den Wichtigsten auf diesem Album halte, mit ganz eindeutiger Aussage gegen Großkonzerne und deren Tricks, Menschen natürliche Ressourcen abzujagen. Wer PASCOW also noch kryptische Texte nachsagt, liegt ab sofort falsch.
Stolpern sie über ihre Weltordnung? Nein, sie nutzen alles was da ist.
Immer noch ganz klar DIY in Richtung Selbstausbeutung, denn ein Album in zwei Versionen rauszubringen ist schon ein finanzielles Abenteuer. Dann in dieser Aufmachung und zu diesen Preisen! Ich habe mir das Release-Konzert in Neunkirchen angeschaut (dazu ein ander Mal mehr), da gab es die „brave“-Ausgabe für 15€ und die „wilde“ für 20€.
In „unter Geiern“ setzen sie aus dem schon mehrfach benutzten Zitat des Teufels noch einen drauf:

und nach dem letzten Stück hör ich den Teufel sagen:
der größte Trick des Punkers war es nicht mitgemacht zu haben

Die Platte ist der Hammer!
Das Finale „wunderkind“ ist quasi eine Ode auf die Unsterblichkeit des Punks und schliesst am Ende einen Kreis. Wenn man die CD einfach weiterlaufen lässt, kommt gleich wieder das Intro!
Mal abgesehen von dem wirklich endgeilen Text, der noch eine ganze Weile im Kopf rumschwirrt.

Bevor ich jetzt in Ohnmacht falle:
zieht euch das rein! (klick = video)

review: DER TAG DES DÜMMSTEN GESICHTS – s/t

der tag des dümmsten gesichts

Ich mach mir mal den einfachsten Review der Welt:
Das ist toll. Deutschpunk. Klare Kante. Witzig, weltgewandt und wortspielerisch.
Hört das mal an!
Und die Beschreibung könnt ihr hier, wie auch beim Label lesen. Die ist so gut, da gibt es wirklich mal ü-ber-hauptnichts hinzuzufügen!
onbones collective
haben aber/und auch noch ganz doll andere schöne Sachen, auch zum anziehen!

Nach jahrhundertelanger Banderfahrung, mit all der menschlichen, unmenschlichen und musikalischen Enttäuschung die dazu gehört, haben sich 5 junge Menschen gefunden um den Punkrock neu zu erfinden. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger.
Nach Kay1, Buschido, so nem Typen namens Jesus und Böhmi dem Schmähgesicht bedienen sich heute ganze Genres der modifizierten idiomatischen Wendung, die für die kreativen Köpfe von „Der Tag des dümmsten Gesichts“ namensgebend ist. Nicht verschwiegen werden soll jedoch, dass der Gesichtsausdruck des Sängers während des Spielens stark inspirierend wirkt.

Durch den gemeinsamen Konsum von bewusstseinserweiternden Substanzen können die Bandmitglieder, ihre Kreativität nochmal potenzieren und auf 1000 Jahre Erfahrung zurückblicken. Das schmeckt und hört man! Lediglich der Trommler macht da nicht mit, der ist Sozialarbeiter und darf deswegen keine Drogen spritzen, was ihn ziemlich öde erscheinen lässt.

Fantastische Songs wie „Halt die Fresse (Höcke 1)“ und „Stirb (Höcke 2)“ bringen in wenigen Sekunden die gesamte Rockgeschichte auf den Punkt. Bei dieser Musik bleibt keine Frage offen. Die Antwort lautet: „Wenn du einen Nazi siehst musst du ihn boxen!“

Man sollte mindestens 100€ für ein Konzert ausgeben oder etwaige Differenzbeträge direkt den Mitgliedern zu Gute kommen lassen. Außer dem Sänger können die nämlich alle nix wofür es Geld gibt. Sicherlich die ambitionierteste Band die gerade auf Markt ist.

review: TURBOSTAAT – nachtbrot live DoLP

turbostaat - nachtbrot
Eins vorweg: man bekommt wirklich nichts Neues von Turbostaat; und vor mir eine kritische Lobhudelei!

Die Band macht sich, laut eigener Aussage ein Geschenk zum 20-jährigen Bestehen. Soweit, so wie viele andere.
Eins fällt von der ersten Sekunde auf, an der die Nadel in die Rille sticht: für eine Band, die kryptische Texte schreibt, kann das Publikum alle ganz ordentlich mitsingen. Ist im Grunde das, was mich vor 10 Jahren schon angefangen hat zu nerven. Als sie mit FRAU POTZ auf Tour waren. Ich wollte dann nicht mehr auf eins ihrer Konzerte; da ist zu viel Stadion und zu viel Rock drin. Und: ja, auch mich werdet ihr, zumindest im Auto, erwischen, wie ich die Texte mitgröhlen kann.
Doch mit jeder Umdrehung mehr, mit den sogenannten Hits, von denen sicher bis heute keiner im Radio gelaufen ist (dem, in dem die TotenHosen und die Ärzte laufen), zieht mich die Stimmung und der Sound immer mehr in den Bann.
Wenn ich das dann höre, wenn auf Seite drei alle bei „Sohnemann Heinz“ DAS IST KEIN ENDE brüllen, schon eine großartige gemeinsame Feier, die da gefeiert wird. Am Schluß applaudiert man also allen, nicht nur irgendeiner x-beliebigen Band. Das sind schon ganz besondere Fans, die da mit den Jahren mit der Band verwachsen sind. Das Ganze ohne Split und Reunion. TURBOSTAAT sind immer da und niemals weg.
Auch ich höre die Band nun schon seit dem ersten Album. Und hier bekommt man die ganze Palette von TURBOSTAAT zu hören. Eben auch Songs von der ersten Scheibe wie „vier ecken ein elvers“ oder „18uhr09 mist verlaufen“ einmal quer durch alle Werke zur „abalonia“. An Stellen, wo sie früher noch ganz anders klangen, ist das nun eine homogene Folge von Songs, die abwechslungsreich sind und sich selten gleichen. Das macht das komplette Durchhören von knapp 60 Minuten leicht. Einzig Seite drei ist mir ein wenig langsam. Sind halt die ruhigeren Songs.
Wer mehr zur Entstehung und der Idee, die hinter dieser Scheibe steht, bspw wie sie aufgenommen wurde und wo, der möchte doch bitte diese kleine Doku dazu anschauen:
Rockpalast Backstage

Dieses Album… ich kann mich nicht entscheiden, ob ich es zu den Punkbüchern ins Regal stellen soll oder doch in die Plattensammlung. Es steht auf der Seite nur „nachtbrot“. Könnte wohl auch von einem deutschen Dichter sein. Wenn man dieses Buch also aufschlägt stecken die Platten in Taschen auf der Innen- und Außenseite und ein Fotobuch in schwarz/weiß im Großformat tut sich auf. TURBOSTAAT haben gekonnt darauf verzichtet, superstylische Fotos auszusuchen oder solche, die bspw besonders pathetisch wären. Müssen sie ja auch nicht. Sie können sich auf ihre Stärke verlassen: so zu sein, wie sie sind!

Sich zum Geburtstag so eine toll aufgemachte LP zu schenken, dazu noch in dieser Verpackung! Geil!
Bleibt so, wie ihr seid.

Bei Seite vier bin ich soweit mir das nächste Ticket für eines ihrer Konzerte zu kaufen.
Dabei hab ich sie schon so oft gesehen: Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart…
Mit ihnen spielen, das würde ich gerne noch.

review: SINGSONG GIRL und KADAVER XQUISIT und DER SCHÖNE UND DIE BIEST

singsong girl
Tamara hat mich irgendwie in den Untiefen des Digitalen entdeckt und schrieb mir. Ich sagte: „klar, höre ich rein“
Und ich habs geschafft.
Die Punkerette kommt aus Stuttgart und ist dort musikalisch ziemlich umtriebig.
Drei selbstgemachte CDs hat sie mir zugeschickt und ich legte zuerst die Split CD KADAVER XQUISIT und DER SCHÖNE UND DIE BIEST ein (click für video). Erstere machen rockigen Deutschpunk. Im Faltblatt der CD steht das Commandante Grimm, ein leidenschaftlicher Musiker, Texter und Radiomacher und Tamara aufeinandertrafen und dieses Projekt starteten. Sie nennen es „Art-Punk“. Die Band ist zu viert und wenn man sich das Gesamtbild anschaut ist das Punk der prima in die 1990er gepasst hätte.

Bei DIE SCHÖNE UND DER BIEST handelt es sich wohl um ein Spaßprojekt zweier Freunde, die sich mal aus ihrer „gewohnten musikalischen Umgebung“ bewegen wollten. JazzCore Musiker trifft ElektroPopperin. Das soll klingen wie ein von einer Frau gesteuerter LKW den sie nicht willens ist zu bremsen. Kein herumfrickeln und zeigen, wie toll man spielen kann, sondern voll auf die 12.

Ich mag an dieser Stelle schon mal das Kompliment aussprechen, dass es sich bei Tamara wohl um eine unstoppbare, leidenschaftliche Musikerin handelt. Viel Herzblut, total schräge Ideen, macht Aufnahmen, Artwork und Videos auch selbst! Das finde ich ziemlich cool. Mit der Musik kann ich herzlich wenig anfangen.

Dann lege ich SINGSONG-GIRL ein. Das ist so dermaßen herrlich schräg daneben, ich kann mich der Musik nicht entziehen. Musikalisch hochgegriffener Vergleich ist STEREO TOTAL, aber ich kenne einfach zu wenig Bands in diesem Genre. Explizit sei gesagt, dass es sich bei der Musik UND den Videos um ein Gesamtkonzept handelt! Die Clips wurden schon international auf Video-Festivals gezeigt.
Nungut. Hört sich super an, macht euch selbst ein Bild!
Ausfühlricher habe ich in die CD „M.I.A.U.“ reingehört und kann euch empfehlen: meldet euch bei tamara die_biest@web.de

und so geht Booklet ;-)
singsong girl

fanzine: PROUD TO BE PUNK #28

proud to be punk #28
Ich hatte das Gefühl, daß mir eine der Ausgabe schon mal durch die Finger ist; habe aber keine Erinnerung mehr daran.
Es fängt schon mal mit einer super Vorwortkolumne an „Deutschstunde“. Herausgeber Jan ist Lehrer. Eine gute Berufswahl für einen Punker.
Es gibt einiges zu lesen auf den 80 Seiten, dieses klassischen A5er Fanzines.
Direkt sympathisch ist mir, dass in Jans „Sound fü den Sommer“-Liste SYNDROME 81 dabei sind. Die sind auch verdammt cool. Anchecken!
Es direkt los mit einem spannenden, ausführlichen Bericht über „Wahrschauer Punk Pakt – 1977-89″. Band s aus Polen, Yugoslavien, Ungarn, Sowjetunion… ihr merkt schon, die meisten Länder existieren heute so nicht mehr. Aber was bis Mitte der 1990er dort an Repression gegenüber der Subkultur seitens des Staates ausgeübt wurde ist in keinster Weise vergleichbar mit der Punkszene der westlichen Staaten. Lesenswert.
Überhaupf strotzt das Heft vor guten Artikeln und Interviews. Das macht wirklich großen Spaß.
WUTANFALL, eine Punkband aus der ehemaligen DDR, erzählen ihre Geschichte. Im ersten Artikel „würend, wütender, WUTANFALL“ geht es um die kurzen drei Jahre, in denen die Band existierte. Auch hier um Repression in Form von Infiltrierung durch die Stasi sogar innerhalb der Band. Daruaf wird im zweiten Artikel „Die Punkband im Visier der Stasi“ nochmal näher eingegangen, was in einem Interview mit Schrammel mündet.
Danach, was logisch ist, „punk in der DDR“, Jan bleibt weiterhin im Ostblock mit einem Bericht über sibierischen Punk in den 1980ern, bevor dann F*CKING ANGRY zu Wort kommen.
Fanzine- und Plattenreviews.
Alles drin.
Wer’s lesen mag kriegts bspw bei fireandflames