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interview / review: THE SWINGKID FANZINE #5

mal was anderes, mal was Neues!
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Gunter, den Macher des SWINGKID FANZINEs habe ich vor einer Weile online kennengelernt! (FB)
Ich glaube, ich hatte auch schon mal eine der älteren Ausgaben in der Hand. Auf der einen Seite schade, daß das Heft so selten rauskommt, auf der anderen Seite tut das all den Bands und Stories gut. Deshalb kann ich mich vor Freude auch kaum zurückhalten!
Die Bands sind aus den verschiedensten Ecken der Welt, mit den unterschiedlichsten Ansichten und Gründen, ihre (Punk)Musik zu machen. Marocco, Sri Lanka, Mexico und Kuwait; um nur einige zu nennen! Beigelegt ist eine CD mit der Musik der Bands. 2 Aufkleber, die in jedem Heft verschieden sind.
Interviews, Stories, Bildergeschichten, ein Kreuzworträtsel, alles in Farbe, da kann einem nicht langweilig werden!
Da dachte ich statt Werbung in Form eines Reviews zu machen, mache ich euch durch ein kurzes Interview mit Gunter vielleicht sogar ein wenig neugieriger!
Das Heft bekommt ihr über die FB-Seite oder bei mir (PN).
Moin Gunter!
Erzähl erstmal was das SWINGKID ist und wie lange Du für die aktuelle Ausgabe #5 gebraucht hast!

Moin Felix, das „Swingkid Fanzine“ ist ein Heft mit dem Anspruch ein globales, unabhängiges Fanzine für Musik und soziale Themen zu sein. Es gibt einige Aspekte, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind: Das irgendwie nicht zum Mainstream gehören, der Versuch es tatsächlich global zugänglich zu machen, die Suche nach Neuem und Kreativem, die Ablehnung von kommerziellen Aspekten, Humor. Ausgangspunkt ist immer wieder Punk.

Ich habe an der letzten Ausgabe etwa neun Monate gearbeitet, allerdings ist der Vertrieb, der sich immer etwas hinzieht, nicht mit einberechnet.

Machst Du das Heft allein?

Ja und Nein. Ja, weil ich alles plane, durchführe, suche, bezahle, etc. und nein, weil die Antworten für Interviews und die Kolumnen von anderen geschrieben bzw. zur Verfügung gestellt werden.

Was hast dich dazu bewegt, dein Heft als, nennen wir es Paper-on-demand, rauszubringen?

Paper-on-demand ist es eher nicht, es gibt 108 Exemplare in Papierform und die Möglichkeit, sich das Heft herunterzuladen. Sollte es einen größeren Bedarf geben, kann ich natürlich nachdrucken, aber dafür müsste das Angebot dann so gut sein, dass es wenigstens die Kosten trägt.

Du machst ein sehr internationales Fanzine, wie findest du Kontakt zu all den Bands aus Marocco, Uruguay, Vietnam – bist du viel unterwegs?

Nein, Reisen geht leider nicht häufig, obwohl ich drei weitere Reisen unternommen habe. Der überwiegende Teil ist Internetrecherche – und ich bin natürlich schon ein paar Jahre dabei und habe entsprechende Platten und Erfahrungen.

Was war der bislang am schwierigsten herzustellende Kontakt?

Generell gilt: Alle Kontakte sind schwierig. Vom Zeitaufwand muss man sich das so vorstellen: Aus ein bis zwei Stunden Internetrecherche entspringt eine Band, die man hören kann.

Es gelten bei mir folgende Kriterien: Die Band beherrscht ihre Instrumente, es gibt hörbaren Gesang, eine gewisse Eigenständigkeit und Kreativität ist vorhanden, es wird kein rechter/radikaler Müll verbreitet.
Von den gefunden Bands ist etwa die Hälfte noch aktiv. Von diesen Bands antwortet etwa ein Drittel. Ich frage entweder an, ob die Band/das Projekt ein Interview geben oder einen Song beisteuern will. Jetzt beginnt der frustrierende Teil: Ich verschicke eine Erklärung, was das Swingkid-Fanzine ist und Fragen. Jetzt heißt es warten. Normalerweise verliere ich etwa die Hälfte der Kontakte – die Bands haben zwar zugestimmt, aber dann wird der Kontakt einfach abgebrochen. Das kann sehr frustrierend sein, bei der jetzigen Ausgabe hatte ich gleich am Anfang drei Abbrüche. Oft reichen schon kleinste Fehler, z.B. das man nach einer „normalen“ E-Mail fragt, etc. Es kommt eigentlich nie vor, dass es Rückfragen oder Erklärungen gibt, sodass man dann einfach dasitzt, noch einige Male hinterherschreibt und es dann sein lässt. Bei den übrigen Bands hat man dann noch die Arbeit, mehrfach nach Bildern bzw. Songs für die beiliegende CD zu fragen. Ein großes Problem ist es oft auch, noch einmal nachträglich Fragen zu schicken, da diese unter Umständen nicht beantwortet werden. Und dann verschickt man die fertige Ausgabe – und nur etwas mehr als die Hälfte der Bands meldet sich noch einmal. Insgesamt also ist es eine sehr schwierige Angelegenheit, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Letztlich ist es aber auch wiederum gut: Am Ende bleiben herausragende Projekte übrig!

Welche Highlights bekommen denn die Leser in Ausgabe #5 unter die Augen?

Zuerst einmal gibt es eine großartige CD als Beilage mit vielen, vielen Highlights. Bei den 10 interviewten Bands/Projekten möchte ich keine/s herausheben. Ich bin optisch mit dem Heft zufrieden, weil es eine deutliche Weiterentwicklung ist gegenüber der #4. Es gibt jede Menge kurzweilige Sachen: Ich habe versucht, es keine Bleiwüste werden zu lassen. Ich finde die Idee mit Briefmarken zu arbeiten großartig. Und es gibt Aufkleber. Ansonsten: 80 Seiten in englischer Sprache mit Bands von Orten, von denen du noch nie etwas gehört hast. Ein Heft, dass am Ende seinen Weg in mindestens 30 Länder gefunden hat. Ein Heft, das man nicht am Zeitungsstand findet, sondern das man suchen muss.

interview: NO COMPLY (ausgabe #1)

Ich kenne die Jungs schon ein paar Tage und weine mich schnell im Vorwort ein bisschen aus. Schon „immer“ wollte ich mit HÜNERSÜPPCHEN (1994-99) eine Bühne mit ihnen teilen. Dazu kam es nie. Dann gründeten wir 2002 pADDELNoHNEkANU und spielten immer noch nicht zusammen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, haha! Die Provinz ist so klein, da muß das doch mal klappen.
Wahrscheinlich lag es auch ein wenig daran, daß man in der Jugend doch sehr kategorisch mit Musik umgeht und nicht einfach „Punk“ hört, sondern auch diesen aufmüpfigen Bereich, der so frei und laut sein will, in Schubladen teilt. pADDELNoHNEkANU gehörten schon immer zu denen, die auf Schubladen scheißen. Wir machen, wozu wir Bock haben. Und darum geht’s doch?
In diesen 2010er Jahren nun gilt es wohl das Fähnchen „Punkrock“ wieder ordentlich mit der geballten Faust in die Luft zu strecken, da es inzwischen ja so ist, daß wir für den Otto-Normal-Verbraucher in die Kategorie „Rock“ gesteckt werden. Und es sogar soweit geht, daß „die Ärzte“ und „Frei.blöd“ für die selbe Kategorie nominiert werden……
Ich lass das mal so stehen und widme mich meinen Gesprächspartnern Daniel (Gesang) und Wagilö (Gitarre), mit denen ich mich im provinziellen „Hopfenschlingel“ auf ein naturtrübes Bierchen verabredet hatte.

Seit wann gibt’s euch? Und wann habt ihr aufgehört?
Wagilö
2007 war unser letztes Konzert in der Rock n Roll Bar Karlsruhe
Daniel
1994 haben wir zu viert angefangen, da war der Wagilö noch nicht dabei. Da war noch ein anderer Typ dabei, da müssen wir aber nicht näher drauf eingehen. Da hießen wir noch „Schwiegermuttermilch“. Das ist ein Getränk aus Österreich. 75 prozentiger Schnaps.
Ab 96 dann NO COMPLY.

Dann habt ihr Euch um 398 Grad gedreht und euch nen neuen Namen verpasst?
Daniel
Der Wagilö kam mit rein und das war wohl auch so der Grund, die Band etwas ernsthafter zu betrachten
Daniel
Und außer Josel sind wir anderen damals geskatet oder skaten heute teilweise immer noch, deshalb NO COMPLY
Wagilö
Da NO COMPLY ja auch ein Skateboardtrick ist, wie du vielleicht weißt?!?!
(Der Mikrofonhalter schüttelt den Kopf)
Daniel
Übersetzt heißt das „nicht mit allem einverstanden sein“.
Wagilö
Bei diesem Trick geht ein Fuß vom Brett und die Faustregel ist ja, das beide Füße auf dem Brett bleiben sollten. Und zum Punkrock, da wir ja anders sein wollten, sind wir nicht mit allem einverstanden! Punkrock trifft Skateboarding. Und im Namen noch beides abgedeckt. Passt wunderbar!
Daniel
Bevor wir uns umbenannt haben, coverten wir noch viele Sachen, wie Megavier (ein Projekt mit Gitarren der Fantastischen Vier, Anm.d.Verf.) oder Nirvana. Klar, natürlich auch NO FX, Lagwagon und SNFU. Unter NO COMPLY konzentrierten wir uns dann ausschliesslich auf eigene Songs.

2006 habe ich auf einer ziemlich gute besuchten Jubiläumsshow im Artcanrobert gesehen, eure CD ‚Long way home‘ in Dauerrotation gehabt….. und dann wurd’s still.
Daniel
Jeder hatte nach 11 Jahren, mit der Band trotzdem auch große persönliche Veränderungen durchgemacht. Auch musikalisch ging jeder in eine etwas andere Richtung. Klar hörte jeder auch noch Punkrock, aber im Proberaum fanden wir nicht mehr so richtig zusammen.

Was ist denn seit 2007 passiert? Die Veränderung hört ja nicht auf! Wie kamt ihr also auf die Idee, NO COMPLY nochmal aufleben zu lassen?
Wagilö
Weil wir damals jedes Wochenende auf Konzerten oder im Proberaum verbracht hatten. Das war geil! Das hat uns natürlich geprägt und irgendwo hat jedem von uns etwas gefehlt die letzten Jahre.
Daniel
Weil’s all die Jahre immer noch bei jedem präsent war. Es gab Zeiten wo wir uns sehr wenig gesehen haben, dann wieder oft, auch durch die Kinder, da drei von uns inzwischen Kinder haben. Der Einzige, der zum Glück gefehlt hat, war Ingo, der inzwischen in Hamburg lebt. Jeder hat sich, glaube ich, von dem Zwang gelöst, was tun zu MÜSSEN. Wir waren damals auf dem Weg unsere vierte CD einzuspielen. Durch die doch sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf die Musik, haben wir uns im Proberaum irgendwie festgefahren. Stundenlang Teile aufnehmen wollen, die nicht passten. Da hat dann der Spaß an der Sache gelitten. Irgendwie hat man dann versucht den Scheiß einzududeln…. Das hat’s nicht gebracht. Keine Konzerte mehr, dann kam einer nicht zur Probe, nächstes Mal ein anderer nicht. Ist dann einfach zerfallen.
Wagilö
An den 10 besten Songs haben wir 3 Jahre lang rumgedoktert, war sich nur noch selten einig….

Das wußte ich ja nicht, daß da ein viertes Album in Arbeit war. Und als ich neulich die letzte CD ausgepackt habe „long way home“ kam mir der Gedanke, daß das irgendwie eine selbsterfüllende Prophezeihung gewesen sein könnte! Von langer Hand geplant!
Wagilö
Klar, wir haben alles vorher gewusst, haha!
Daniel
Vielleicht hat das unbewusst eine Rolle gespielt. Die Hoffnung, daß wir uns wieder zusammenraufen…..
Über lange Jahre war das nicht so einfach mit uns. Wir waren sehr verschieden. Und dann ist das natürlich ein langer Weg!

Wieviele Konzerte habt ihr denn gespielt in den 11 Jahren? Und beste Story bis jetzt?
Daniel
Etwas über 100.
Wagilö
Der Bassist pinkelt aus dem 4ten Stock Backstageraum und 2 Minuten später tauchte jemand auf, beschwerte sich, daß wir kein Bier aus dem Fenster kippen sollen. Dann haben wir uns entschuldigt und die Party ging weiter!
Daniel
Bestes Konzert war wohl 2001 WÖRTH CUP (Skateboard Contest). Als Headliner kamen 4LYN und wir durften aber plötzlich nur noch 6 oder 7 Songs spielen, weil deren das Management das so wollte. Die im Publikum sind abgegangen wie Raketen.
Wagilö
Die Stimmung war einfach zu gut für eine Vorband.
Frechheit.
Wagilö
Wer weiß, vielleicht waren wir auch einfach nur mies, haha! Nein Spass, die Stimmung war einfach nur perfekt!

Ihr seid in Rastatt beheimatet und seid auch wieder im Art Canrobert e.V. in euren ehemaligen Proberaum eingezogen. Was hat sich in der Zeit, in der ihr „Abstinent“ ward verändert?
Daniel
Ziemlich viel und ziemlich krass! Wenn ich noch zwei oder drei Leute kenne, ist es viel! Da ist ganz klar eine neue Generation am Start. Und die kennen uns ja auch alle nicht persönlich. Trotzdem wurden wir aufgenommen, als wären wir nie weg gewesen.
Wagilö
Es hat sich positiv verändert. Ich habe das Gefühl, daß die Politik etwas zurückgenommen wurde und dafür wieder mehr Konzerte stattfinden. Gute Undergroundbands aus allen Ecken des Landes.
Daniel:
Wir dürfen da MARY ANN’S KITCHEN dankbar sein, daß dieser Proberaum erhalten blieb und wir ihn nun mit der Nachfolgeband ALTE NEUE TRICKS teilen dürfen. Da sind wir ziemlich dankbar dafür.
Wagilö
Das war wie nach Hause kommen.
Daniel
Und wir dürfen bald unser erstes Konzert dort spielen. Übrigens am 17.05.! Mit uns spielen FOR THE BIRDS aus Achern ihre erste Show. (Auch auf dem Sampler, Anm.d.Verf.)

Seht ihr den politischen Aspekt nicht etwas verklärt, weil ihr Altersmilde geworden seid? Es finden ja beispielsweise Vorträge vom INPUT Rastatt dort statt,
Daniel
Man muß es nicht mehr so nach außen tragen. Man genügt sich ja auch manchmal selbst schon, weiss was man denkt. NOCOMPLY war übrigens nie eine politische Band!

Dann komme ich zu meinem Thema dieser Ausgabe „Grauzone“. Was denkt ihr über Grauzone(n)?
Wagilö
Ist ne Neue Deutsche Welle Band.
(schweigen)
Daniel
Das meinst du nicht?
(Kopfschütteln)
(Lachen.)
Wagilö
Ist das ne Anspielung auf meine Haare?

Es ist irgendwie cool, daß dieses Thema an euch vorbeigegangen ist. Ich habe deshalb dieses Thema gewählt, um denen, die die GrauzonenKarte ausspielen (und das bei jeder Gelegenheit) aufzuzeigen, daß es noch mehr Graue Bereiche gibt, vielleicht sogar für manchen Wichtigeres, als mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, nur weil er eben kein politischer oder politisierter Mensch ist.
Was habt ihr euch den für 2014 vorgenommen, außer dem Konzert am 17.05.?
Daniel
Darüber haben wir uns so noch nie richtig Gedanken gemacht.
Eigentlich haben wir nicht mehr vor, als uns zu fünft im Proberaum zu treffen und Spaß zu haben! Alles andere kommt von allein.

Wie geht das mit einem Bandmitglied aus Hamburg?
Daniel
Es gibt Nachtbusse!
Wagilö
Ja, Ingo ist klasse, der hat einfach auch Lust, wieder dabei zu sein!
Daniel
Ist großartig wie viel Energie er da reinsteckt. Aber das tun wir natürlich wieder alle!!

Dann danke ich für dieses Interview und wünsche viel Spaß am 17.05. im Art Canrobert
Daniel / Wagilö
Danke dir!

interview: Soziales Zentrum CARACOL Bühl

In Ausgabe #1 führte ich ein Interview mit Daniel, einem der Mitorganisatoren des SOZIALEN ZENTRUMS CARACOL.
Da sie dieses Wochenende ihr 6-jähriges Bestehen feiern, zu dem alle eingeladen sind mitzufeiern, hier nun das Interview mit ein paar Informationen, was das CARACOL eigentlich leistet!
Einige Infos sind natürlich überholt, was aber nichts daran ändert, das besipielsweise das KICKEN GEGEN RASSISMUS alljährlich stattfindet!

Moin Daniel! Wie geht’s und was machst du/ihr gerade so im CARACOL, in dem schönen, badischen Provinzstädtchen Bühl?
Hallo, im Moment sieht es im Caracol sehr gut aus und wir haben jede Menge Veranstaltungen geplant.
So steht am 15.04. eine Veranstaltung mit Sebastian Friedrich an, der sein neues Buch „Nation – Ausgrenzung – Krise“ vorstellen wird.
Außerdem haben wir wieder mit den Vorbereitungen für das „Kicken Gegen Rassismus“ begonnen, einem antirassistischen Fussballturnier, welches nun bereits zum 6. Mal stattfindet und jedes Jahr aufs Neue über 200 Menschen begeistert. Wir freuen uns immer wieder, dass die Menschen dabei mitmachen und somit ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung jeglicher Art setzen.

Ihr engagiert Euch ja bei vielen Gelegenheiten, ob es bei der Demo in Baden-Baden war, die gegen die Mahnwache, von einer rechten Gruppe aus Karlsruhe initiiert, am 30. Jan. stattfand oder in Pforzheim, oder oder oder.
Woher nehmt ihr dieses starke politische Bewusstsein und wie gebt ihr das an eure Mitmenschen weiter?
Das ist schwer zu sagen und bei allen Aktiven im Caracol warscheinlich unterschiedlich entstanden, aber man kann sagen, dass ein Teil der Personen im Caracol bereits vor der Gründung ein Freundeskreis war und sich in diesem Kreis gegenseitig nach und nach politisiert haben.
Über diesen Kreis ist dann das Caracol in die Wege geleitet worden und das hat dann mehr und mehr Leute angelockt, die sich vermutlich mehr oder weniger selbst politisiert haben und dann im Caracol einen Ort gefunden haben an dem sie ihre Politik auch leben können.
Dass sich dieses Bewusstsein, dann im Laufe der Zeit gefestigt und weiterentwickelt hat ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Verhältnisse sich ja nicht verbessert haben und die Arbeit und der Kampf weitergehen müssen. Aber auch unsere Arbeitsweise dürfte dazu beigetragen haben, da wir auf Basisdemokratische Prinzipien achten und jede Person ihre Vorstellungen und Meinungen offen äußern kann und auch Gehör findet.
Dies an die Menschen, die sich nicht im Caracol engagieren weiterzugeben, stellt sicherlich eine größere Herausforderung dar, die wir aber mit einer kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit, einer offenen Struktur und eben den regelmäßigen Veranstaltungen zu bewältigen versuchen.

Eure Vorträge reichen von (aktuell) den Verstrickungen der NSU über die Folgen der Bahnprivatisierung bis zum Vortag von Thomas Kuban (Buch: Blut muss fliessen – Undercover unter Nazis). Wie stemmt ihr das als Verein, braucht ihr Hilfe?
Es ist denke ich klar, dass es oftmals nicht leicht ist und ein hoher Arbeitsaufwand damit verbunden ist, die ganzen Veranstaltungen zu organisieren und nebenbei noch das „Tagesgeschäft“ des Caracol und Privat zu bewältigen, aber wir haben mittlerweile gut organisierte und funktionierende Strukturen im Caracol, die diese Themen bearbeiten.
So kann man sagen, dass bspw. das Thema Antifaschismus und die damit verbunden Veranstaltungen hauptsächlich im „Antifaschistischen Abend“ organisiert werden. Andere kontinuierliche Arbeiten, wie die Finanzen oder Öffentlichkeitsarbeiten werden in verschiedenen Arbeitskreisen bearbeitet, die dann ihre Arbeiten und Ergebnisse im Raumplenum präsentieren, in denen wir, wie bereits erwähnt, basisdemokratisch über die Vorschläge diskutieren und nach dem Konsensprinzip Entscheidungen treffen. Das Raumplenum ist quasi unser Entscheidungsorgan, dass sich montags alle 2 Wochen trifft und für jeden offensteht.
Dass wir hier in einer Stadt leben, in der eine relativ hohe Fluktuation an Menschen vorhanden ist, die sich engagieren könnten, geht an uns natürlich auch nicht vorbei. So steht und fällt das Caracol mit dem Nachwuchs und ist daher immer auf neue Leute angewiesen, die das Caracol auch in Zukunft tragen werden. Gerade im Moment stellt dies für uns eine größere Herausforderung dar, da viele von uns wegziehen werden.

Etwas Geld kommt ja inzwischen auch rein über das jährlich stattfindende „KICKEN GEGEN RASSISMUS“. Wie lange findet das schon statt und wie kann man sich bewerben?
Zunächst stimmt es zwar, dass wir im letzten Jahr mit dem KGR ein bisschen Gewinn gemacht haben, allerdings veranstalten wir das Turnier nicht mit dem Ziel damit Geld zu verdienen, sondern ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen!
Dann kann ich sagen, dass das Turnier wie bereits erwähnt in diesem Jahr zum 6. Mal in Folge stattfindet. Es ist mit den Jahren stetig gewachsen und es finden sich nun regelmäßig zwischen 200 und 300 Personen ein, die sich in bis zu 24 Teams am Turnier beteiligen oder aber einfach das Rahmenprogramm nutzen und sich an Infoständen und Stellwänden informieren, das Essensangebot wahrnehmen oder der Musik zu lauschen, wie im letzten Jahr dem Auftritt von“ PaddelnOhneKanu“.
Für die Anmeldung ist lediglich ein Team von 6 Personen, ein Teamname und eine Mail an kicken@caracol-buehl.de nötig und eine geringe Teilnahmegebühr notwendig.
In diesem Jahr findet das Turnier aller Vorraussicht nach am 14. Juni im Bühler Ludwig – Jahn Stadion statt.

Das Thema der Ausgabe ist „GRAUZONE“. Wo findest du diese Grauzonen, und was tut man dagegen?
Nun das gängigste Beispiel für Grauzone ist natürlich die Musik.
Auch in den traditionell eher links orientierten Musikrichtungen wie Punk oder Hardcore finden sich diverse Bands, die kein Problem darin sehen mit offen rechtsradikalen Gruppen auf der Bühne zu stehen und damit ihre Ideologie indirekt zu unterstützen. Dies gibt es mit Sicherheit auch in andern Musikrichtungen, aber gerade aufgrund des ursprünglich relativ starken linken Bewusstseins der eben genannten Stile macht es das noch verwerflicher. Aber dadurch rückt das Thema Grauzone in diesen Bereichen auch viel eher in den Fokus als es das in andern Bereichen täte und erfordert und erzeugt einen relativ starken Diskurs.
Aber auch in Bereichen des täglichen Lebens kann man von Grauzone(n) sprechen.
Gerade in der heutigen Zeit in der es wieder mehr und mehr in Mode kommt sich einem Identitären Bewusstsein zu verschreiben, sich also für den vermeintlichen Erhalt der „nationalen oder regionalen Kultur“ einsetzt , wird oftmals eine Stimmung verbreitet die offen rassistische Hetze wieder salonfähig macht und es schafft den Menschen wieder in Kategorien einzuordnen und sie dementsprechend schlechter oder besser zu behandeln, ohne dabei aber sich selbst als rechts einzustufen zu müssen, denn das bleibt natürlich verpönt.
Sätze wie: „Ich hab‘ nichts gegen Ausländer/Schwule/Arbeitslose, ABER …“ oder „ Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ sind es die diese Tendenz deutlich machen.
Dass dadurch reaktionäre Denkmuster reproduziert werden und die vermeintliche Mitte der Gesellschaft immer weiter nach rechts rückt, wird natürlich geleugnet. Man grenzt sich ja von denen ab.
Sarrazin ist ein Beispiel dafür. Er repräsentiert diese Denkmuster zum Beispiel, indem er Standpunkte vertritt, die schon vor Jahrzenten als überholt und reaktionär abgetan wurden.
Wobei man das wahrscheinlich schon gar nicht mehr als Grauzone bezeichnen sollte…
Was man dagegen machen kann ist klar: Zum Einen sollte man nicht wegschauen, wenn einem diese Verhaltensmuster auffallen sondern klar Stellung beziehen und den Menschen klar machen was ihr handeln eigentlich bewirkt und zum Anderen sollte man, und das kommt eigentlich vor dem Ersten Punkt, sich selbst mit dieser Thematik auseinandersetzen um im geschilderten Fall auch Antworten parat zu haben.

Zum Abschluss eine musikalische Frage: Gibt’s coole Bands aus der Gegend und was läuft in eurem Kassettenrekorder?
Nun ja, wir hätten letztes Jahr natürlich nicht PaddelnOhneKanu beim Kicken Gegen Rassismus spielen lassen wenn wir sie nicht cool fänden, aber ansonsten läuft bei uns eine bunte Mischung aus Punkrock-Klassikern, Ska, Hip Hop und, wie man an den regelmäßigen Bad Taste Partys erkennen kann, auch die ein oder andere 90er Trashplatte ;-) .

Danke für das Interview und viel Erfolg für das Projekt.
Wir danken.

interview: BEN RACKEN (ausgabe #1)

Ich kenne Ben Racken nun schon seit 2009. Patrick erzählte mir von ihnen, ich lud sie ein und das Artcanrobert in Rastatt sagte ‚ja‘!
Tuba (Gitarre / Gesang), Nico (Bass / Gesang) und Daniel (Ex-Drummer) fuhren also mal sowas um die 1000km (hin und zurück) um mit pADDELNoHNEkANU zum Tanze aufzuspielen. Das war toll!
Was ich bemerkenswert finde an dieser Band, ist, daß sie beharrlich ihr Ding durchziehen. Nun also auch schon zum dritten Mal. Denn die neue Scheibe heisst „III“. Aufgenommen im April, Mai 2013 und erschienen im November auf Vinyl mit beigelegter CD.
Das sie irre coole Jungs sind, wissen sie hoffentlich, und Punk machen, weil es Spaß macht…?

Woher kennt ihr euch und wie kam es zu dieser Besetzung?
NICO
Wir sind Ben Racken geworden, weil die Band „Ernährungsfehler“ sich aufgelöst hat. Weil der Sänger ausgestiegen ist und der Gitarrist n Bandscheibenvorfall und taube Fingerkuppen hatte. Tuba und ich wollten aber weitermachen und haben Daniel, den Schlagzeuger dann mitgenommen. Der ist aber dann ausgestiegen und Paule hat ihn ersetzt. Ben Racken gibt’s nun seit 2008 und Ernährungsfehler von 1989 bis 92 und 2005 bis 2008. Mit Ernährungsfehler haben wir 4 Platten rausgebracht und mit Ben Racken nun die dritte.

Wie lange seid ihr in dieser Besetzung unterwegs?
PAUL
Drei Jahre werden es im Februar.

Wie bist du denn zur Band gekommen?
PAUL
Mich betrunken beworben.
TUBA
Ich hab Paule angeworben.
PAUL
Mit Pfefferminzbonbons angeworben.

Ihr habt ne neue Scheibe rausgebracht, die ‚III‘ heisst. Man merkt da in jedem Fall in der Titelgebung eine extreme Weiterentwicklung zum Vorgänger ‚II‘. Wie lange habt ihr für die Platte gebraucht und gibt’s Songausschuß?
NICO
Das hast aber schön formuliert. (lacht)
PAUL
Das sind genau die 10 Songs, die wir in der Zeit….
NICO
….weil wir nur gute Songs machen, konnten wir auch alle auf Platte bringen….
PAUL
…ein Jahr lang dran gearbeitet haben. März 2013 haben wir die aufgenommen.

Wer hat sich um den ganzen Kram gekümmert? Habt ihr das selbst rausgebracht oder ist das in Zusammenarbeit mit einem Label entstanden?
PAUL
Von der Sache her ist das ne Eigenproduktion. Aber wir haben in Magdeburg ein relativ großes Label (Bandworm). Die machen zwar andere Musik aber der Betreiber ist ein guter Bekannter von uns und der hat mit seinem Label ganz andere Drähte und Möglichkeiten.

Würdet ihr sagen, das Magdeburg eine provinzielle Stadt ist?
PAUL
Definitiv!

Ist doch die Hauptstadt Sachen-Anhalts?
PAUL
Dann kannste dir ja ausrechnen, wie die anderen sind.
(gelächter)

Weswegen ich darauf komme ist, weil diese Ausgabe das Thema „Grauzone“ hat und die sich ja meist in der Provinz tummelt. Dort wird selten darüber diskutiert und meist zu wenig dagegen getan.
Gibt’s da bei euch klare Abgrenzungen zwischen Bands und Szene?
TUBA
Ich finde gerade wenn es um so ein sensibles Thema wie „Grauzone“ geht, sollte man nur dem glauben, was man mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört hat. An dem kleinen Fall, als wir selber in die Grauzonenrichtung gesteckt wurden, habe ich gemerkt, daß manche Leute aus der Szene das Thema viel zu uninformiert angehen.
Die übernehmen irgendeine Meinung oder haben was gelesen, meistens im Internet, wo ja jeder die Möglichkeit hat, irgendeinen Quatsch zu schreiben. Ohne das zu überprüfen und zu hinterfragen wird es übernommen. Dann haben sie dich drin in ihrer Schublade „Grauzonen-Band“, weil du diese und jene Freunde hast, die angeblich dies und das gemacht hätten, Dinge, die überhaupt nicht stimmen haarsträubender Quatsch sind. Schlimmerweise spricht niemand selbst mit den Betroffenen und die, die am lautesten schreien, scheinen zu vergessen, dass Punkrock ursprünglich gerade gegen Konformität und Dogmatismus angetreten ist und nicht um zu gefallen oder sich von der Szene-Polizei abnicken zu lassen.

Wie seid ihr denn in diesen Grauzonenbereich gerückt worden?
NICO
Durch eine Bremer Band, die nicht mit uns spielen wollte.
TUBA
Wir wollen das wirklich nicht verharmlosen, wir haben viel geredet, auch mit den Beschuldigten, und reflektiert, in Endeffekt haben wir uns nichts vorzuwerfen, wir kennen uns und unsere Freunde, wir können ehrlichen Herzens in den Spiegel schauen. Ich glaubte niemals, dass in unseren kleinen Kreisen so deutlich betonen zu müssen, weil es eine Selbstverständlichkeit ist, Nazis sind doof und wir und unsere Freund haben nichts mit ihnen zu tun. Punkt.
Aber wer Modelle wie Heimat, Herkunft oder gar Staaten benötigt, um sich und seine Identität zu definieren, ist ein armes Licht und gehört zurecht kritisch hinterfragt. In unserer Gegend gibt es die Tendenz, dass manche junge Leute, auch in ihren Bands, dazu neigen, sich als „ostdeutsch“ zu positionieren.
Es widerstrebt mir, mich mit so einer Heimatidentität auseinander zu setzen. So wie unser Freund Anthrax schon mal sagte: „Heimat und Nationalstaaten sind völlig überholte Konstrukte, die man nicht anerkennen sollte.“

Kommen wir mal wieder zurück zu euch. Über was erzählt ihr denn?
TUBA
Über unser Leben. Über die Liebe, den Tod. Universelle Themen.
NICO
Und Ängste.

Ich habe mal in einem Interview mit euch gelesen, das „Ben Racken“ ein fiktiver Held für euch ist. Und Helden denken ja eigentlich selten über Leben und Tod nach, sondern machen es einfach.
TUBA
Wir leben unser Leben. Denken nicht so viel drüber nach. Wir sehen dieses Leben als großes Geschenk und ich ehre das, in dem ich …
NICO
…auch mal fröhlich bin….

„wir haben uns nie was geschworen, wir waren einfach immer da“
Für wen würdet ihr Helden spielen?
TUBA
Wir spielen jeden Tag den Helden!
NICO
Kannst du doch nen Helden nicht fragen, weil er einfach immer ein Held ist.
TUBA
Nico ist jeden Tag ein Held für arme, kranke Kreaturen und bringt sie wieder auf die Beine. Paule ist jeden Tag ein Held für Jugendliche, die es nicht so leicht haben, wie andere. Und ich, ich bin Held für meine Kinder. Hoffentlich.

Was ist ein erstrebenswertes Ziel? Sprich: für Ben Racken!
PAUL
Die Weltherrschaft!
NICO
Und Platinstatus.
(gelächter)

Ich bin mal danach gefragt worden, ob Familie, Beruf und Punkrock sich nicht widersprüchlich zueinander verhalten. Wie seht ihr das? Passt das nun alles zusammen oder gibt’s da starke Differenzen, die man immer wieder rechtfertigen muß? Was heisstn dann Punkrock 2014 noch?
TUBA
Sich die Freiheit nehmen zu können, zu machen, was man möchte.
NICO
Das ist ebend auch ein Teil von uns, auch wenn wir jetzt ein bisschen älter sind und ne Familie haben, ist das ein Teil unserer Persönlichkeit. Und die leben wir aus.
Und alle die, die das so sagen, wie du beschrieben hast, die schränken sich ganz schön selber ein.
PAUL
Die Legitimation vor dem Gig Schnaps und zwei Bier zu trinken und während des Gigs auch!

Magdeburg: Welche Bands sind in eurer Provinz gerade total angesagt?
NICO
Pozor Vlak
TUBA
Lärrys Motz
NICO
Bikinimusik.
PAUL
Ganz viele große Bands, aber die alle aufzuzählen….

Schlusswort.
TUBA
Wir haben viele Ziele erreicht, die wir wollten. 2 Mal im Monat n Gig, drei Platten raus, wir amüsieren uns zusammen, das ist alles was wir wollen.

Bedankt.
(nuschel)
War das aufregend!

Ausgabe #1 als download

Ausgabe #1 zum download als PDF!
Interviews mit:
Ben Racken
Subkultura Booking
THE SERRATION
der Klappstuhlgang (heute: Krasser Fahrstil, wir berichteten)
NOCOMPLY
und
Caracol – gemeinsam.kreativ.selbstverwaltet.
(auch gerne noch für einen Unkostenbeitrag von 2€ zu haben inkl Porto)
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und den Sampler dazu gibt es
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