review: FRONT – dissonanz und wahnsinn

front - dissonanz und wahnsinn
Die Scheibe pest gleich in einem aufdringlichen Tanzbeinschwingtempo davon, daß ich nach einem Track schon zuckend am Boden liege, als hätte mich der japanische Stroboskopcartoon aus der Simpsons-Folge von ann dazumal. Mit den ersten Tracks „dissonanz & wahnsinn“ (Titeltrack) und „die komparatistik von scheiße“ ( Duden: Substantiv, feminin – vergleichende Literatur- oder Sprachwissenschaft) werden gleich klare Ansagen gemacht gegen die Religionsidioten des IS, Deutschlandpatridioten und dem täglichen Heini, der die Beschissenheit der Dinge schon gar nicht mehr bemerkt.
Irgendwann, in grauer Vorzeit, denn dieses Album hat eine halbes Jahrezehnt gebraucht, wurde FRONT irgendwas von Deutschpunk 2.0 nachgesagt. Von ironischen Texten.
Heute, in 2018, empfinde ich die Texte als, leider, viel zu wahr. Zynische Betrachtung der reale existierenden Kapitalismusorgie. Man sagt Freundschaft und zieht doch ne Grenze. Man sagt Hilfe und denkt zuerst an sich selbst. Man hat Mitleid und kauft sich dann ne Plastiktüte. Die werdet ihr euch noch kaufen, wenn sie einen Euro kostet!
In den fünf Jahre ist im Bandgefüge einiges passiert, doch hat man sich zusammengerauft und ist nun zu Viert. Die zweite Gitarre habe ich erstmal gar nicht vermisst. Erst mit längerer Laufzeit fällt dem geneigten Zuhörer auf, daß es die „Frage-Antwort-Spiele“ der beiden Gitarren nicht mehr gibt.
Die Musik ist eben anfangs zappeliger New-Wave-Punk mit einer guten Prise Noiserock, bevor die Songs immer wieder in leicht psychedelische Gefilde abschweifen und die Dissonanz, den Soundtrack des Untergangs aus den 1989er Jahren heraufbeschwören. Man könnte sich in dieser Mucke ganz schön verlieren, würden nicht immer wieder ganz klar verständliche Worte aus Falks Mund schimpfen.

„Schieb dein Leben in den Lauf. Nimm den Kopfschuss in Kauf. Wenn die Träume Asche sind. Baue ein Reihenhaus darauf“ (aus „russisch roulette“)

Vergleiche mit einschlägigen Bands der Marke HumanAbfall oder LoveA nerven (die) bloß, da die vergleichbaren Bands weder die Wut, noch den Zynismus, noch diese herrlich aufmischende Art haben. FRONT sind kein sophisticated Kunstprojekt, sondern tatsächlich mit einer guten Mütze Punk auf und im Kopf unterwegs.

Dennoch und trotzdem kann man viele neue Momente entdecken, auf dieser neuen Scheibe „Dissonanz & Wahnsinn“.
Finde auch du sie!

Beim Artwork ist man sich treu geblieben, steht aber auch alles hier bei:
Erschienen bei twisted-chords


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