Archiv für Januar 2018

review: HELMUT COOL – schlachtrufe brd gmbh LP

helmut cool

DEUTSCHPUUUUUNK!
Die kriegen schon allein wegen der Erwähnung im Booklet n „Daumen hoch“
Und ein „Daumen hoch“ für das Comic. Auch in der Postille Nummero 4 war eine exklusive Seite drin.
Drittes „Daumen hoch“ – ah was, ich nehm schon mal pauschal die Hand. Und in die steck ich ein Bier.
Und dann mach ich ne Bierfaust.
Schütte alles aus beim Bierpogo!
Bei den Texten bleibt kein Auge trocken. Ernste Texte werden verlustigt und bleiben trotzdem ernst.
Lustige Texte sind nicht zu sehr Absturztauben.
Mein Fav:

Ich will nicht in dein Kanzleramt, nicht in dein Parlament
Keine Koitus-Koalition, für dich schäm ich mich fremd
Für viele bist du ein Idol, doch sicher nicht für mich
Darum ganz klar nein, meinen Kanzler fick ich nicht

aus „Nein, meinen Kanzler fick ich nicht“

Das Cover ist jedem Deutschpunker bekannt und wirklich liebevoll nachgestellt, super!
Die Story zur Platte und zum Bandnamen gibt es im beiliegenden Comic.
Wenn ich schon mal genauer hinhöre, hat das ne Deutschpunkattitüde in der Musik, ist aber eher Californiastyle.
Mucke fürs Skateboard, Mucke für jede Party.
Gut gespielt, gut gemischt.
Und ein Auftritt von ihnen ist mehr ne saulustige Angelegenheit, da die Herren dazu neigen, viel Quatsch zu erzählen.
Also: alle Daumen hoch!
Erschienen bei Twisted Chords.
Pflichtkauf!!!

Aber: kommt ihr jetzt nie auf Tour, wenn euch Autobahnen so ankotzen?
Die Frage ist ja wohl berechtigt!

review: LHOTSE / BLOCKSHOT split 10inch

lhotse / blockshot 10inch
Es stellt sich sofort ein ganz entspanntes Gefühl ein, wenn die Scheibe läuft. Klar, ich fange bei LHOTSE an, da ich die Scheibe auch von ihnen zugeschickt bekommen habe. Das hatte ganz schön lange gedauert und nun hat es bei mir ganz schön lange gedauert, bis ich vom reinen Hören zum Schreiben kam!
Die Band kommt aus Köln und laut ihrer FB-Seite ist im letzten Jahr nicht so viel los geweswn. Wieso eigentlich?
Der Sound ist ein bisschen lo-fi, female-fronted, zumindest zu großen Teilen.
Die Lyrics haben eine positive Attitüde und das ist das was im Gesamtbild auch leicht Hymnenhaft und Teenie-albern rüberkommt, ohne eine Sekunde kindisch zu sein. Sehnsucht. Energie. Leben. Lieben.

„du gegen’s festhalten
ich für das aushalten
das ist lektüre
und keine lektion“

Eine tolle Seite. Mit vier Songs schon fast zu kurz. Aber mehr geht auf ne 10inch halt auch nicht drauf ;-)
Musik bei bandcamp

Auf der anderen Seite sind BLOCKSHOT überrascht mich. Das ist ja bei Split-Scheiben oft so, daß (fast) das selbe Genre gespielt wird und sich doch total unterscheidet! Auch sie kommen aus Köln und spielen schon eine ganze Ecke länger als die Split-Partner. Seit 2007 gibt es die Band.
BLOCKSHOT spielen Keyboard-driven Riot-Grrrl Pop. Nun, ich erinnere mich da eher an ganz alte Bands, bspw an die klasse schrägen FLUID to GAS oder FABRIC. Die Vorbilder sind höbar FUGAZI und / oder vor allem BIKINI KILL.
Die Lyrics sind klare Ansagen gegen Ausgrenzung, Respekt, in welche Richtung: gegen oder mit dem Strom, und als vierten Song (auch hier gibt’s nicht mehr) die Feststellung, das Psychatrie per se totalitär ist.
Das sind für nen Sonntagmorgen, an dem ich diese Split mal wieder laufen lasse, ganz schön viele Dinge, über die ich mir heute Gedanken machen kann.
Musik gibt’s bei Bandcamp

Also:
2 Bands, je 4 Songs auf ner 10inch.
Hört mal bei bandcamp rein (links)
oder bestellt euch dieses schöne kleinod bei:
(oha! als ich auf die seite des labels gehe, lacht mich doch FLUID to GAS sofort an…. wen das mal kein Zufall ist!)

F-SPIN records
und wenn ihr schon am Mucke hören seid, dann lege ich euch hier auch noch des außergewöhnlichen „Sampler“ vom BLOG THAT CELEBRATES ITSELF ans Herz „a reverance to fugazi“

fanzine: KAPEIKENPOST #9

kapeikenpost #9
Das Cover springt mich doch, nach dem Motto „dich kenn ich doch“, direkt an.
Super Idee, über Bobber Petersen zu schreiben. Nun, es ist mehr ein Nachruf geworden, da er leider den Kampf gegen den Krebs nicht gewinnen konnte. Man kann aber sehen, daß es doch eine wahrlich spannende Sache ist, wen man so in sozialen Netzwerken kennenlernen kann! Auch nach all den Jahrzehnten. Denn das Plattencover, dessen Titelheld er ist, stammt von 1982 „Slime – Yankees raus!“

Weiterhin im sehr angenehm gestalteten Heft: die Razors (waren auch auf meinem Lieblingssampler „paranoia in der strassenbahn“) in einem sehr ausführlichen Interview. Meine Lieblingsrubrik „NDW Legenden“ hat im dritten Teil nun die klasse Band NICHTS zum Thema. Eine unheimlich spannende NDW Band. Obwohl der Sound in meinen Ohren außergewöhnlich war, hatte es die Band im Zuge des ersten Booms deutschsprachiger Musik auf das Majorlabel WEA geschafft.
Bei uns liefen die Songs „ich bereue nichts“ „ein deutsches lied“ „tango 2000″ und „radio“ (das vor allem in der Version von den Boxhamsters) rauf und runter!
In neuer Besetzung sind sie mit dem Album „Zeichen auf Sturm“ seit 2011 sporadisch unterwegs!

Es gibt viel zu lesen in der neuen Ausgabe!
Astrein und übersichtlich gestaltet, da sind erfahrene Menschen am Werk! 2 Euro sind ein super Preis für so viele Buchstaben!
Daumen hoch für dieses Zine, daß einen kleinen Einblick in die Hamburger OldSchoolPunkSzene gibt!
Zu haben bei: kapeikenpost@web.de
Vertretung bei FB

fanzine: KRÜMMELGROLLER #4

kümmelgroller

Hier ist die Nummer 4 des KÜMMELGROLLER-Fanzines reingeflattert. Ist um einiges umfangreicher als die Nummer 3.
Liegt daran, daß sich hier ein paar Fanziner zusammengetan haben. Let’s call it: Sammelfanzine!
Das hat dieser Ausgabe echt gut getan. Sie ist bunt und wild (in sschwarz weiß gedruckt, haha) und kann mit Interviews, Cartoons, Rezis aufwarten.
Allsda wären:
Interviews: – drei meter feldweg (punkband aus der Lüneburger Heide)
- torsun (von EGOTRONIC) zum thema „was ist antideutsch“
- soap girls (südafrikanische female punkband)
uvm!

Das liest sich alles sehr flüssig und kurzweilig!
zu haben bei:

und lasst doch gleich nen like da!

extrem liedermaching

review: AT-THE-DRIVE-IN – inter-alia

at the drive in

Ihr denkt „wat machtn der jetz tnoch für n refwieu von dene scheibe – is doch uralt“
Manche Scheiben drehen erstmal ein paar Runden, wie gesagt.
Und diese hatte es verdient. Ich habe die „relationship of command“ heftigst geliebt.
Die Energie, das ungestüme Ausbrechen aus Songstrukturen. Die Melodien zwischen hibbeligem Emogeschrammel.

Die erste Runde war nämlich schrecklich. Wo? Wieso? Hat doch alles keinen Sinn.
„thats the way the ET claps“. verstehe ich den Satz richtig? (nein, natürlich nicht) aber dieses Geklatsche. Unerträglich poppig.
Nach einigen Runden mehr klang die Scheibe nicht mehr ganz so gewollt. Ich hatte mir alte Liebelingssongs noch mit auf die CD gebrannt, um vergleichen zu können.
Ich hatte so lange drauf gewartet, daß noch was passiert, das noch was kommt von der Band. Ähnlich wie bei KRAWEHL letztes Jahr.
Im VISIONS las ich aus Neugierde mal die Ausgabe mit dem imensen Stammbaum an Musikern, die AT THE DRIVE IN über die Jahre verschlissen hat. Ich rechnete mit nichts mehr.
Nun diese Scheibe.
Sie arbeiten sich immer noch fleissig daran ab, Songstrukturen zu dekonstruieren und manchmal habe ich das Gefühl das einzig der Gesang eine Linie hat. Alle anderen Instrumente spielen gegeneinander an. Das Ganze verpackt in einen Rocksong.
Sehr anspruchsvoll, das.
Und sehr glatt abgemischt. Das Raue fehlt. Das vermeindlich Unbedarfte.
Die Lyrics weiterhin zynisch und sehr studentisch. Schlaues Englisch. Ich komme da nicht mehr mit.
Wenn ich die CD nun aus dem Autofenster schmeisse, werde ich sicherlich nichts vermissen.
Also: die Scheibe gibts nun in meinem Bauchladen zu erstehen. Mit Poster.

PS:
So schön man das Video finden mag….

Im Grunde ist das alles elitärer Rockmusikquatsch.
Kostet viel Geld und noch mehr Eintritt auf ein Konzert.
Geht lieber auf 5 kleinere Clubgigs und schaut euch neue Bands an. Ich bespreche hier ja genug davon.

Haut rein!