review: SENOR KAROSHI – …oder deswegen LP

SENOR KAROSHI - oder deswegen
Nach einer fast gähnend langen Pause melden sich SENOR KAROSHI mit einem BÄNG! zurück.
Mir sind die Herren schon durch ihre Split Single mit AUßER ICH aufgefallen. Ich besorgte mir auch noch ihre erste 7inch mit vier Songs. Insgesamt hat man also schon sechs Kleinode veröffentlicht.
Drei davon sind nun auf der aktuellen Veröffentlichung wiederzufinden. Laut Textschuber hatten sie noch in einer anderen Besetzung aufgenommen, was sie nun live in neuer Besetzung spielen.
Erstmal knallt der erste Song „motte“ rein.
SENOR KAROSHI melden sofort ihr Songwriting, ihre Sprachlichkeit und ihr Verspieltheit an. Zweistimmiger Gesang, intelligente Texte und überraschende Wendungen. Wenn hier die Songstruktur plötzlich mit einem Taktwechsel in einen wirklich witzigen Refrain aufbricht, bleibt kein Auge trocken. Womit die Inspiration für diesen Song auch glasklar wird: Castingsendungswahnsinn.
Das zieht sich durch alle Songs. Jeder hat sein Thema: Alterssturheit (wasted on the young), Reihenhausmelancholie (das haus verliert nichts) oder den überaus witzigen Punkerfrisörsong (zum rapport). Konnte mir nach dem Ärzte-Song vor gefühlten 100 Jahren nicht vorstellen, daß da nochmal einer kommt!

Die Songs gehen runter wie Öl und man kann die Scheibe ganz einfach im repeat-modus lassen, sie wird echt nicht langweilig. Zu dritt brennt man hier ein Feuerwerk ab, was die meisten Bands nicht zu fünft hin bekommen.
Bevor man zu oft denkt, daß der Gesang und deren unerhörte, manchmal superschlau daherkommende Sinnhaftigkeit an LOVE A erinnert, covern die KAROSHIS einen Song von SchrengSchreng&LaLa. Jörkk Mechenbier darf auch mit den Gesangpart übernehmen.
Mit (muschelsucher) ist auch noch ein wirklich gutes, nachdenkliches Stück drauf. Ich mag die doppelbödigkeit in all den Texten von SENOR KAROSHI.

Ich finde da steckt viel LOVE A drin. Auch die Hamburger CAPTAIN PLANET lassen grüßen.
Doch SENOR KAROSHI schaffen es eigen zu sein.
Das macht die Platte „…oder deswegen“ echt zu einer abwechslungsreichen Post-Punk-Indie-Bombe.

Kaufen!

cuules video:

review: LYGO – schwerkraft LP

lygo - schwerkraft
Diese Band ist ein besonderes Kleinod der Punkszene. Meiner Meinung nach ist da viel Screamo drin. Mit all seinen melancholisch vertrackten Bombastparts. Man wird sehr oft mit Befindlichkeiten angeschrieen.
Da ist viel Punk drin, nach vorne gespielt, auf die Zwölf.
Sie spielen auch mal einen viel zu eingängiges Stück „festgefahren“ oder schreien weniger wie auf den grandiosen „lautlos“ und „vergessen“.
Ich würde auf keinen Fall unterschreiben, was andere Rezis behaupten „Fußstapfen von MUFF POTTER … PASCOW“: jedenfalls für dieses Album totaler Quark.
Das sind härtere KRAWEHL, sperriger und noisiger. ATMEN, WEITER… in einer krachigen Welt. FREIBURG. sowas eben.
Super auch das konsequent „andere“ Songwriting. Gitarren abwechslungsreich und ideenreich. Kleine Spielereien, die mein Muckerherz erfreuen!
Auf die komplette Spielzeit frage ich mich, warum ich mich so anschreien lasse.
Live eine Knallerband. Haben schon viele, viele Konzerte gespielt!
Und im März auch mal wieder unterwegs.

Album ist schon im September 2018 erschienen.
Zu haben bei bspw KIDNAP MUSIC.

review: pADDELNoHNEkANU – my button is bigger than yours LP / MC / DL

pADDELNoHNEkANU - my butto is bigger than yours

Vow!
Fünf Jahre sind vergangen, seid ich mit meiner Band pADDELNoHNEkANU den letzten Full-Length-Player 2013 „endlich wieder deutschpunk“ rausgehauen habe.
Es hat sich wahnsinnig viel getan und ich will hier ganz sicher keine Lobhudelei auf mich / uns selbst schreiben! Also kriegt ihr ein paar harte Facts, die so auch nicht im Interview stehen, welches in der nächsten Printausgabe der PP abgedruckt sein wird.
In der Zwischenzeit gab es 2015 eine 7inch namens „1+1=2fel“. Da hatten wir uns auf das heute noch bestehende Trio gesundgeschrumpft. Ein sehr guter Freund hatte Ole, Tulle und mich schon mehrmals aufgefordert, in der langen Zeit, die es diese Band gibt, es als Trio zu versuchen: das sei super so und funktioniere. Wir wollten nicht hören, haha!
Danach haben wir begonnen eine Split-7inch-Reihe zu starten. Die erste mit KUBALLA 2016 auf der der Track „alleinstellungsmerkmal“ ist.
Es wurde ganz schnell 2017 und uns war klar: 15 Jahre Jubiläum sind angesagt. Also wieder in unser Proberaumstudio und unsere Lieblingscoversongs geübt und eingespielt. Dazu ein Booklet mit allen Texten von 2002 an. Da ist ganz schön viel Revue gelaufen bei mir.
15… so alt ist mein ältester Sohn noch nicht (damals 10), so lange hat meine längste Beziehung nicht gehalten; und meine Ehe auch nicht (13).
Das war, seit der ersten LP, also ein harter Ritt.
Was wir nun in diese Welt lärmen ist hoffentlich das höflichst authentische und hochgradig emotionalste Punkalbum, daß das Auf und Ab des Lebens wiederspiegelt.

Wir danken selbstverständlich allen Bands und Freunden, die all die Jahre an uns glauben!
Diesmal dürfen wir auch noch Daniel von ELFENART herzlich drücken für seine Unterstützung.
Und den schwer umtriebigen Bernd von 30KiloFieberRecords der, zusammen mit uns als Band, den größten Teil dieses Releases mitträgt.
Chapeau!

Erstes Video zu cybertronic ultra bot

review: PASCOW – jade DoLP

pascow - jade

Mensch du. Da machste das Paket auf und bekommst ein in ein Plakat mit beiden Cover eingepackte Platte. In der Platte ein Booklet in 12inch Größe und eine 7inch. Letztere einseitig bespielt, wie auch die zweite LP. Klingt erstmal verwirrend, ist aber Luxus pur. Edel aufgemacht mit dem auflaminierten (?) Konterfei eines Mädchens auf mattem Schwarz.
Aber der Reihe nach!
PASCOW hatten ihr letztes Album „diene der Party“ vor 5 Jahren rausgebracht. Danach gab es eine 10inch mit Songs von ihnen und einem nach Abschied klingenden Film. Vor ein paar Monaten dann die Ankündigung eines neuen Albums! Würden sie weitermachen, wie bisher?
Der Look jedenfalls ist geblieben.
Und die Antwort bekommt man, sobald man die Platte loslaufen lässt: ja!
Ein leicht melanchlisch melodramatisches Intro am Piano wird intoniert, geht über in den Hit und die erste Video-Singleauskopplung „silberblick und scherenhände“.
PASCOW verlassen sich schon noch auf ihre Art Songs zu schreiben. All die Melodien, die einen manchmal zuckersüß umspielen. Ollos Schlagwerk, daß gemeinsam mit Flo’s Bassspiel nach vorne treibt. Alex‘ angepisster Gesang. Alles da.
Aber es hat sich etwas geändert: die Rockelemente, wie sie TREND mal einforderten ;-) Oder die eigens besungene Weltordnung, die the fuck ist, wankt?
Gleich im zweiten Song „jade“ legen sie mit einem Rockgitarrenriff los, das sich gewaschen hat; um dann ganz klar wieder PASCOW zu sein. Die „marie“ wird besungen mit einem groovenden Off-Beat mit leichten Reggae-Anleihen. Der Gesang weniger pissed, dafür immer noch das leicht wüste Weltbild entwerfend, daß es braucht, um diese Welt in ein „schmutzigrot“ zu tauchen.
Ich will jetzt nicht jeden einzelnen Song einer Kritik unterziehen, das haben Bierschinken schon gemacht! Und aus Bockys Review bei Polytox hab ich die Reminszenzen „geklaut“, da ich Musikgeschichtlich mit englischer Punkmusik nicht so bewandert bin – um nicht zu sagen: mir doch egal!

Auf Anhieb habe ich Crass, The Clash und The Outsiders gefunden.

Song vier „kriegerin“, den ich für den Wichtigsten auf diesem Album halte, mit ganz eindeutiger Aussage gegen Großkonzerne und deren Tricks, Menschen natürliche Ressourcen abzujagen. Wer PASCOW also noch kryptische Texte nachsagt, liegt ab sofort falsch.
Stolpern sie über ihre Weltordnung? Nein, sie nutzen alles was da ist.
Immer noch ganz klar DIY in Richtung Selbstausbeutung, denn ein Album in zwei Versionen rauszubringen ist schon ein finanzielles Abenteuer. Dann in dieser Aufmachung und zu diesen Preisen! Ich habe mir das Release-Konzert in Neunkirchen angeschaut (dazu ein ander Mal mehr), da gab es die „brave“-Ausgabe für 15€ und die „wilde“ für 20€.
In „unter Geiern“ setzen sie aus dem schon mehrfach benutzten Zitat des Teufels noch einen drauf:

und nach dem letzten Stück hör ich den Teufel sagen:
der größte Trick des Punkers war es nicht mitgemacht zu haben

Die Platte ist der Hammer!
Das Finale „wunderkind“ ist quasi eine Ode auf die Unsterblichkeit des Punks und schliesst am Ende einen Kreis. Wenn man die CD einfach weiterlaufen lässt, kommt gleich wieder das Intro!
Mal abgesehen von dem wirklich endgeilen Text, der noch eine ganze Weile im Kopf rumschwirrt.

Bevor ich jetzt in Ohnmacht falle:
zieht euch das rein! (klick = video)

review: DER TAG DES DÜMMSTEN GESICHTS – s/t

der tag des dümmsten gesichts

Ich mach mir mal den einfachsten Review der Welt:
Das ist toll. Deutschpunk. Klare Kante. Witzig, weltgewandt und wortspielerisch.
Hört das mal an!
Und die Beschreibung könnt ihr hier, wie auch beim Label lesen. Die ist so gut, da gibt es wirklich mal ü-ber-hauptnichts hinzuzufügen!
onbones collective
haben aber/und auch noch ganz doll andere schöne Sachen, auch zum anziehen!

Nach jahrhundertelanger Banderfahrung, mit all der menschlichen, unmenschlichen und musikalischen Enttäuschung die dazu gehört, haben sich 5 junge Menschen gefunden um den Punkrock neu zu erfinden. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger.
Nach Kay1, Buschido, so nem Typen namens Jesus und Böhmi dem Schmähgesicht bedienen sich heute ganze Genres der modifizierten idiomatischen Wendung, die für die kreativen Köpfe von „Der Tag des dümmsten Gesichts“ namensgebend ist. Nicht verschwiegen werden soll jedoch, dass der Gesichtsausdruck des Sängers während des Spielens stark inspirierend wirkt.

Durch den gemeinsamen Konsum von bewusstseinserweiternden Substanzen können die Bandmitglieder, ihre Kreativität nochmal potenzieren und auf 1000 Jahre Erfahrung zurückblicken. Das schmeckt und hört man! Lediglich der Trommler macht da nicht mit, der ist Sozialarbeiter und darf deswegen keine Drogen spritzen, was ihn ziemlich öde erscheinen lässt.

Fantastische Songs wie „Halt die Fresse (Höcke 1)“ und „Stirb (Höcke 2)“ bringen in wenigen Sekunden die gesamte Rockgeschichte auf den Punkt. Bei dieser Musik bleibt keine Frage offen. Die Antwort lautet: „Wenn du einen Nazi siehst musst du ihn boxen!“

Man sollte mindestens 100€ für ein Konzert ausgeben oder etwaige Differenzbeträge direkt den Mitgliedern zu Gute kommen lassen. Außer dem Sänger können die nämlich alle nix wofür es Geld gibt. Sicherlich die ambitionierteste Band die gerade auf Markt ist.



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. facebook.com (7)